Jaguar XF 2,2D: Der Schotte unter den Briten
Die Briten haben den XF mit elegantem Pinselstrich behübscht und ihm einen „kleinen“ Vierzylinder-Diesel implantiert. Wie sich der Edlemann mit dem bürgerlichen Einstiegs-Aggregat tut, lesen Sie hier.

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Die derzeit günstigste Art Jaguar zu fahren: der XF 2,2D mit dem 190 PS starken Vierzylinder-Diesel.
Der Zeitgeist ist ein unerbittlicher Geselle. Er vermag Dinge zu tun, die vor kurzem noch undenkbar waren: Etwa, dass sich ein Bundeskanzler (Facebook-)Freunde kaufen muss, dass ein Schnitzel umgerechnet 200 Schilling kostet, das Diesel teuerer ist als Superbenzin, dass es im Sommer Herbst und im Herbst Sommer ist, dass weiße Weihnachten ein Ding der Unmöglichkeit sind (außer am Nordpol - noch) oder dass man seine Zahnpasta in ein Sackerl geben muss, wenn man ein Flugzeug besteigt. Ein solcher Tabubruch ist für viele auch, dass die für seine vor Kraft und Zylinder strotzende herrschaftliche Marke Jaguar nun einen bürgerlich anmutenden Vierzylinderdiesel anbietet. Aber wie der Mensch halt so ist, arrangiert er sich schnell mit den Gegebenheiten und in diesem speziellen Fall war das gar nicht mal so schwer. Denn: Der „kleine“ Murl steht der Katze nicht übel.
Hübsche Katze
Das kann auch von der neuen Front des XF gesagt werden, die nun stark an jene des Top-Modells XJ gemahnt. Der Fokus der Retusche liegt auf den nun deutlich markanteren und grimmiger dreinblickende Scheinwerfer mit feschem LED-Lichtband und der neu gestalteten Frontschürze, die für mehr Präsenz sorgt. Auch heckwärts hat der XF an Statur gewonnen, was den breiter ausgeführten Rückleuchten zu verdanken ist. Innen ist fast alles geblieben, wie beim 2008 präsentierten Ur-XF. Lediglich der originelle, aber nicht sehr bedienungsfreundliche Sensorknopf des Handschuhfachs wurde gegen einen profaneren, nun aber klaglos funktionierenden Öffnungsmechanismus getauscht. Der im Takt eines Herzen pulsierende Startknopf, der aus der Versenkung auftauchende, aus einem Aluminiumstück gefräste Automatik-Drehschalter und die rotierenden Lüftungsgitter blieben erhalten und erfreuen wie am ersten Tag. Gutes, und vor allem mit Humor gepaartes Design nutzt sich eben nicht ab.
Jaguar-würdig
Nun aber zum vermeintlichen Sakrileg eines Vierzylinder-Diesel in einem Jaguar. Freilich, der Kaltstart ist akustisch schon eine etwas ruppige Angelegenheit. Das ist allerdings nichts, was in ähnlich motorisierten und gleich beleumundeten Konkurrenzprodukten nicht genauso wäre. Hat sich der Brite allerdings mal warmgelaufen tritt das Gebrumme dezent in den Hintergrund. Was die Performance des 2,2 Liter großen und 190 PS starken Aggregats angeht, ist die Angst vor einem Leistungsdefizit unangebracht. Das Drehmoment liegt mit 450 Newtonmetern nicht weit unter jenem des 50 PS stärkeren V6-Diesel und der Sprintwert von 8,5 Sekunden ist für einen 1,8-Tonner sehr annehmbar. Insofern ist der 2,2 Liter Diesel sehr Jaguar-adäquat.
Der Bessere ist des Guten Feind
Ganz im Sinne der markenspezifischen Distinguiertheit ist das Start-Stop-System ausgelegt. Weder beim Ausgehen, noch beim Restart sind unschöne Vibrationen oder übermäßige Geräuschentwicklung festzustellen. Etwas enttäuschend allerdings ist der Effekt der verbrauchssenkenden Maßnahme: weit unter 8,5 Liter kamen wir auf innerstädtisch zurückgelegten Wegen kaum. Zum Vergleich: der 20 PS stärkere BMW 525d begnügte sich im Stadtverkehr mit 7,4 Liter. Das ist etwas, wo die Briten noch nachjustieren könnten.
Renovierungsbedürftiges Navisystem
Das Drehen an diversen Stellschrauben empfiehlt sich auch für das Navigation/Soundsystem des XF. Abgesehen von der noch immer nicht dem aktuellen Stand der Dinge entsprechenden Grafik, ist die Bedienung kompliziert. Schnelle Eingriffe, sei es in die Klimatisierung oder Navigation, sind während der Fahrt kaum möglich.
Fazit
Der XF 2,2D beweist es: Jaguar und Vierzylinder vertragen einander ganz gut. Der 190 PS starke Diesel gereicht der verschärften Optik des neuen XF zu Ehren. Auch wenn man keine Effizienzrekorde erwarten darf, so stellt der Einstiegsjaguar mit Sicherheit die seit jeher sparsamste Möglichkeit Jaguar zu fahren da. Und auch eine der günstigsten: der Einstiegspreis des Jaguar XF 2,2D beträgt 47.900 Euro.
Jaguar XF 2,2D: Der Schotte unter den Briten
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Doch zuerst zur neuen Oberfläche: Die F...
DruckenSenden20.12.2011
von
Christian Zacharnik