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Mercedes Biome: Mit den Muskeln von Morgen

Das Auto, das auf dem Baum wächst. So sieht Mercedes die Zukunft des Automobilbaus.

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Ein Auto das aus genetisch programmierten Pflanzensamen wächst und mit Bio-Nektar angetrieben wird - so abgehoben ist die Vision der Designer des Mercedes Biome. 
Dagegen sieht selbst der visionäre Hybrid-Sportwagen von BMW aus, als käme er geradewegs aus der Steinzeit. Denn wenn der Mercedes Biome vorfährt, ist Science Fiction angesagt. Dummerweise braucht es die auch, damit der neue Supersportwagen aus Stuttgart überhaupt in Fahrt kommt - schließlich ist er nicht mehr als die in Ton geformte Vision der Designer aus dem Advanced Studio in Tokio, die sich damit um den Sieg bei der LA Design Challenge bewerben.

Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt
Die Geschichte hinter dem Sportwagen kann man getrost vergessen: Dass Autos irgendwann tatsächlich mal aus genetisch programmierten Pflanzensamen wachsen und nicht mehr in der Fabrik produziert, sondern in einer Baumschule groß gezogen werden, glaubt auch bei Mercedes kein Mensch. Doch gehören solche Phantasien genauso zum guten Ton beim Designwettbewerb um die Autoshow in Los Angeles wie die abgefahrenen Antriebskonzepte. Der Biome hat deshalb keinen E-Motor und trotz der Räder im Jet-Design auch keine Turbinen. Sondern er fährt mit der Kraft eines speziellen Bio-Nektars, der ihm schon beim Wachsen eingetrichtert wird.

Anknüpfungspunkte an die Realität
Solche Ideen, die wohl nur im Jetlag oder im Drogenrausch entstehen können, dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Biome vielleicht doch einen ernsten Hintergrund haben könnten. Sein Konstruktionsprinzip mit einer Karosseriestruktur nach dem Vorbild des menschlichen Skeletts dürfte die Ingenieure ebenso interessieren wie der radikale Leichtbau, den die Design-Challenge zur Auflage für alle Kandidaten gemacht hat: Mehr als 500 Kilo dürfen die Fahrzeuge nicht wiegen. Trotzdem bietet der Biome Platz für vier Passagiere, die wie im Karo sitzen: Der Fahrer alleine in der ersten Reihe, zwei nebeneinander hinter ihm und der Vierte gegen die Fahrtrichtung in der dritten Reihe. Möglich machen das die visionären Biofasern des Konzeptes, die man aber auch mit Karbonfäden ins Hier und Heute holen könnte. Schließlich sind es auch die Kohlefasern, mit denen BMW die Studie „Vision Efficient Dynamics“ zum sparsamsten Sportler am Markt machen will.

Was von der Studie bleibt
Am greifbarsten an dem in nur sechs Wochen gezeichneten und komplett aufgebauten Biome ist allerdings das Design, das selbst den SLS zu einem Langweiler von Vorgestern stempelt. Nur wenig mehr als vier Meter lang und gerade mal 1,20 Meter hoch, dafür aber 2,50 Meter breit, steht er so dominant auf seinen wuchtigen Walzen, das jedem auf dem Freeway Angst und Bange wird und man immer freie Fahrt hat. Das imponiert den Mercedes-Designern genauso wie das spannende Lichtkonzept, der aus der Mitte gerückte Stern oder die vielen Details, die man aus Silhouette und Konturen heraus lesen kann. „Natürlich wird es so ein Auto von uns in den nächsten 100 Jahren nicht geben“, räumt einer der Designer ein. „Aber ein paar Anregungen für den Sportwagen von Morgen stecken im Biome schon drin.“ Gut möglich also, dass man einzelne Elemente davon tatsächlich bald wiedersehen wird.

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DruckenSenden18.11.2010 von Thomas Geiger

 

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