New York Autoshow: Party im Big Apple
Auf der New York Autoshow sind die Hersteller frohen Mutes. Ein Rekordjahr im Rücken und eines voraus. Und die Neuauflage einer amerikanischen Legende.

8,4 Liter Hubraum und 640 PS. Die neue Viper ist brachialer und unvernünftiger denn je.
Ein Rekordjahr im Rücken, das erste Quartal mit noch besseren Ergebnissen abgeschlossen und von Elektroautos ist allenfalls noch am Rande die Rede – selten war die Stimmung bei der New York Autoshow besser als in diesem Jahr. Nirgendwo ist das stärker zu spüren als am Stand von Chrysler. Denn wo sich Chevrolet auf die Premiere der Familienkutsche Impala konzentriert und Ford eine Sportversion des Explorer ins Rampenlicht rückt, feiert der amerikanische Fiat-Ableger das Comeback einer Legende. Nachdem sie wegen der Krise eingestellt wurde, ist nun die Viper zurück. Der brachiale Sportwagen, der so amerikanisch und so unvernünftig ist wie Burger und Cola sieht besser aus als je zuvor, hat endlich einen halbwegs liebevollen Innenraum und hat seinen hemdsärmeligen Charakter trotz der Entwicklungshilfe von Ferrari behalten. Das liegt nicht zuletzt am urtümlichen V10-Motor, der jetzt aus wahnwitzigen 8,4 Litern Hubraum brutale 640 PS schöpft.
German Engineering
Neben Chrysler und der Viper sind es einmal mehr die deutschen Hersteller, die in Manhattan die Musik machen – allen voran Mercedes. Denn die Schwaben haben nicht nur den gelifteten GLK und den SL 65 AMG mit nach New York gebracht. Sondern sie feiern im Big Apple auch die Premiere von „Mr. Big“ und enthüllen zur Marschmusik einer Big Band die zweite Generation des GL. Das Dickschiff, das Vertriebsvorstand Joachim Schmidt als S-Klasse fürs Grobe feiert, hat noch mehr Ausstattung und Assistenzsysteme als früher, ist edler ausgeschlagen und bekommt neue Motoren, die mehr Leistung bis zu 20 Prozent weniger verbrauchen. Starten wird der GL im Herbst zunächst in Amerika, bevor er im November auch nach Europa kommt.
Neu und verbessert
Neben Mercedes feiert BMW in New York die US-Premiere des X1 und nimmt mit der Markteinführung gleich ein kleines Facelift für den handlichen Geländegänger vorweg. Porsche enthüllt im Javits-Center den Cayenne für die Amerikaner auch als Diesel und VW stellt dem ungeheuer erfolgreichen US-Passat den Alltrack zur Seite. Er soll nicht zuletzt den Boden bereiten für einen weiteren Geländewagen aus dem US-Werk Chattanooga, der in zwei, drei Jahren zwischen Tiguan und Touareg Platz finden soll. Nur Audi lässt es diesmal in New York vergleichsweise ruhig angehen.
Gaben aus Fernost
Dafür trumpfen auch die Asiaten gehörig auf. Allerdings zeigen sie mit Autos wie dem Nissan Altima, dem aufgefrischten Toyota Venza oder dem Lexus ES fast ausschließlich Modelle, die nur für den US-Markt relevant sind. Einzige Ausnahme ist der Hyundai Santa Fe. Die neue Genration des Geländewagens wird deutlich kantiger, hat mehr Charakter und steht in New York gleich in zwei Längen. Zumindest die kurze Version davon kommt im September auch nach Europa.
Yellow Cab aus Japan
Dass New York eigentlich die Stadt ist, in der man mit dem eigenen Auto am wenigsten Anfangen kann, weil man nur im Schritttempo voran kommt und besser in der Subway aufgehoben ist, das wissen die Ausstellungsmacher selbst am besten. Doch der Termin vor den Osterfeiertagen liegt günstig, das Messegelände ist chic und vor allem leben im Speckgürtel rund um Manhattan so viele Menschen, die sich auch teure Autos leisten können, dass die New York Motorshow mehr Besucher anzieht als jede andere Automesse in Amerika. Und selbst für die staugeplagten Städter ohne eigenes Auto haben sie in diesem Jahre eine Premiere parat. Denn was jetzt noch als Taxi of Tomorrow kanariengelb am Nissan-Stand steht, ist ab 2013 massenhaft als Yellow Cab in den Straßen von Manhattan im Einsatz.
DruckenSenden05.04.2012
von
Thomas Geiger