24h von Le Mans: Rennen mit Flair
Vergangenes Wochenende ging das 80. 24 Stunden Rennen von Le Mans über die Bühne. Wir waren bei dem Motorspektakel schlechthin live dabei und sind der Meinung in Le Mans sollte jeder einmal gewesen sein.


24 Stunden lang geben die Fahrer beim legendären Rennen in Le Mans alles.
Für die einen – meistens die, die auf der Couch vorm Fernseher flözen – mag das 24 Stunden Rennen von Le Mans wie jedes andere Rennen sein. Wer sich allerdings wie wir auf den – zugegeben – sehr anstrengenden Weg in den Nordwesten Frankreichs macht, erlebt ein Flair den kaum eine andere Motorsport-Veranstaltung bietet und die Reisestrapazen allemal wettmacht. Anstrengend deshalb, weil, will man nicht im morgendlichen Pariser-Verkehrsalbtraum hängen bleiben, tunlichst der erste Flieger um kurz nach 6 Uhr zu nehmen ist. Früh aufstehen hieß es also letzten Freitag – an eine Anreise am Samstag sollte gar nicht erst gedacht werden. Denn einmal aus Paris draußen, dehnen sich die verbleibenden 200 km je nach Verkehr und Fortbewegungsmittel locker auf mehr als drei Stunden aus.
Mit dem Bentley zum Zelten
Die Strapazen der Anreise sind aber spätestens beim Erkunden der Campingplätze rund um die 13,5 km lange Rennstrecke vergessen. Denn wo bei anderen Festivals Rostlaube neben Rostlaube dahinvegetiert, stehen hier Bentleys, Lotos und andere hochkarätige Sportwagen – meist mit englischem Kennzeichen – nebst gigantischen Zwei- oder Dreizimmer-Zelten. Benutzt werden die aber höchstens zum Schlafen – kein Wunder, hat Le Mans doch auch einige weitere Highlights zu bieten. Eines ist die vor dem Rennen für alle geöffnete Boxengasse: Während Ingenieure und Mechaniker die letzten Feinschliffe an ihren Boliden vornehmen, wuseln tausende von begeisterten Fans durch die „pit lane“.
3 Tage wach
Nicht nur die Rennstrecke und das Gelände rundum, haben „Mund auf, Sabber raus“-Potential: Freitagnachmittags wird das Stadtzentrum Le Mans in einen Rundkurs verwandelt und eine Parade mit den schönsten Vierrädern der Gegenwart und Vergangenheit zieht durch die knapp 150.000 Einwohner zählende Stadt im Nordwesten Frankreichs. Und weil das Rennen erst um 15 Uhr startet, verwandeln die aus fast allen Nationen angereisten Fans in der Nacht auf Samstag Innenstadt und Rennstrecke in eine einzige Partyzone. Nur in den Boxengassen wir weiter fleißig an den Boliden geschraubt.
Nissan außer Konkurrenz
So auch bei Nissan am DeltaWing. Die Batmobil-ähnliche Rakete, die erst 107 Tage vor Rennstart fertig und lediglich 10 Tage lang getestet wurde, sorgte für reichlich Aufsehen. An ein Bestehen der 24 Stunden von Le Mans glaubte deshalb selbst im eigenen Team niemand. Das nach sechs hervorragend gelaufenen Stunden ein übereifriger Toyota nach einer Safety-Car-Phase den DeltaWing von der Strecke gegen eine Betonmauer drängte, wollte keiner wahrhaben. Vor allem nicht der zu der Zeit fahrende Satoshi Motoyama, der nach dem Crash direkt neben der Rennstrecke alles versuchte um den DeltaWing wieder flott zu bekommen, ehe er nach 90 Minuten erfolglos aufgab. Dass das Konzept des DeltaWing funktioniert, zeigen nicht nur hervorragende Rundenzeiten, sondern auch beeindruckend niedrige Verbrauchswerte: Pro gefahrener Runde (13,5 km Länge) flossen 3,6 Liter, und damit die Hälfte aller anderen an den Start gegangen Fahrzeuge, durch den 300 PS starken 1,6-Liter Turbo-Benziner.
Audi gewinnt
Das Rennen von Anfang an dominiert, hat Audi mit seinen Dieselhybriden. Sie speicherten Bremsenergie in einem Schwungradspeicher zwischen und nutzen sie beim Rausbeschleunigen aus Kurven um einen den an der Vorderachse montierten Elektromotor anzutreiben. Alexander Wurz, der das 24 Stunden Rennen von Le Mans 1996 im Porsche und 2009 im Peugeot bereits gewinnen konnte, war heuer in einem Toyota wieder mit von der Partie, musste nach einem Motorschaden nach zehneinhalb Stunden allerdings aufgeben.
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DruckenSenden18.06.2012
von
Raphael Gürth