Renault will mit Elektroautos eine Führungsrolle einnehmen. Auf der IAA konnte der erste E-Franzose getestet werden. autonet war dabei.
Auf der diesjährigen IAA rittern die Autohersteller mit ihren Elektrokonzepten um die Aufmerksamkeit der Massen. Kaum ein Stand an dem nicht irgendein Auto demonstrativ am Stromkabel hängt. Freilich, das kennen wir bereits von Messen der vergangenen Jahre. Anders ist diesmal allerdings, dass die Hersteller auf die Frage nach dem Markstart der ausgestellten E-Autos nicht mit den Schultern zucken oder auf eine Jahreszahl jenseits des Vorstellungsvermögens verweisen. Das erste Mal rückt die elektrisierte Mobilität in greifbar Nähe. Die am häufigsten genannte Jahreszahl ist dabei 2011 - also in eineinhalb Jahren. Besonders ambitioniert gibt sich da
Renault, die ihren Stand in Frankfurt gleich zu zwei Drittel ihren spannungsgeladenen Fortbewegungsmitteln gewidmet haben. Und nicht nur das, gab es auch die Möglichkeit den Renault Kangoo BE BOP Z.E. (Zero Emission) testzufahren - 18 Monate vor Marktstart.
Prototyp kostet eine Million EuroEtwas mulmig ist uns zu Beginn der Testfahrt schon zumutze. Nicht wegen des Starkstroms, der den Kangoo BE BOP Z. E. durchfließt - immerhin 400 Volt. Vielmehr ist es der dezente Hinweis des anwesenden Renault Ingenieure, dass wir uns gleich ans Steuer einen rund eine Million Euro teuren Einzelstücks setzen, der für einen leicht flauen Magen sorgt. Letztendlich überwiegt allerdings die Neugier auf eines der serienreifsten Elektrofahrzeuge der Welt.
Futuristisch gestyltIst der derzeit am Markt befindliche Kangoo BE BOP nicht gerade ein Heuler, weiß er in der E-Version allerdings zu begeistern: Das Exterieur wurde durch ein paar futuristische Designapplikationen, wie etwa grüne Leuchtdioden an den beiden Türen, die den Ladezustand der Batterien anzeigen, aufgepeppt. Auch innen haben die Designer den grünen Leuchtstift angesetzt, was den Eindruck verstärkt in der automobilen Zukunft platz genommen zu haben.
Gewöhnungsbedürftig
Nach dem Dreh am Zündschlüssel weist einzig und allein ein grünes Leuchtsymbol in den Armaturen auf die Fahrbereitschaft hin. Ansonsten herrscht Stille. Das irritiert den verbrennungsmotorgeeichten Automobilisten. Gewöhnungsbedürftig auch die Kraftentfaltung des 60 PS starken Elektromotors: nix da mit allmählichem Drehmomentaufbau. Dem Renault Kangoo BE BOP Z.E. stehen seine 190 Newtonmeter ad hoc zur Verfügung. Da bedarf es schon einer sehr kontrollierten Einsatzes des Gasfußes, sonst macht der Stromfranzose Bocksprünge. Interessanter Effekt während der Fahrt: Gewohnt den Motorlärm übertönen zu müssen, spricht man zu laut. Im Kangoo BEBOP Z.E. reicht Zimmerlautstärke. Ansonsten unterscheidet sich die Bedienung des Stromers in keiner Weise von jener eines handelsüblichen Automatikautos. Einer kleinen Umstellung bedarf, wenn der Fuß vom Gaspedal genommen wird. Die Rekuperationsautomatik (Energierückgewinnung) führt dazu, dass der E-Kangoo um einiges stärker abbremst. Erfreulicher Nebeneffekt: Wer das strategisch gut nutzt, reduziert den Bremsenverschleiß erheblich.
100 Kilometer Reichweite - vorerstDer von uns getestete Prototyp hat im Fahrzeugboden zwischen vorderer und hinterer Sitzreihe eine 400-Volt-Batterie mit Lithium-Ionen-Technologie. Das Gewicht beträgt 250 Kilogramm. Die Kapazität des aus 48 einzelnen Modulen bestehenden Akkus beträgt 15 kWh. Derart energieversorgt hat der BE BOP Z.E. derzeit eine Reichtweite von 100 Kilometer. Bis zum Marktstart 2011 soll diese Distanz noch um 60 Kilometer ausgeweitet werden.
Wechselbatterie geplantGeladen wird der Strom-Kangoo über einen Plugin unter dem rechten Scheinwerfer. Über die Haushaltssteckdose (220 Volt) innerhalb von sechs bis acht Stunden geladen werden. Mittels Starkstrom-Anschluß (400 Volt) verkürzt sich die Ladephase auf rund 30 Minuten. Bis zum Jahr 2012 plant Renault zudem die Etablierung von Servicestationen, wo die Batterie automatisch ausgetauscht werden kann. Dahingehend führt Renault derezeit intensive Gespräche mit Energieversorgern in ganz Europa.
20 Prozent geringere KostenZum Preis des Renault Kangoo BE BOP Z.E. gibt es freilich noch keine genauen Angaben. Plan ist es allerdings, die Anschaffungskosten auf dem Niveau vergleichbarer Dieselfanhrzeuge zu halten - allerdings ohne Batterie. Diese kann nur gemietet werden, wofür schließlich monatlöiche Gebühren anfallen. Trotz dieses Mehraufwandes beziffert Renault die Ersparnis bei den Erhaltungskosten mit minus 20 Prozent im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.