VW Golf I: Produktion läuft aus
Nach 33 Jahren könnte demnächst der letzte Ur-Golf vom Band laufen. Bis heute wurde die erste Generation noch in Südafrika gebaut.

Seit 1978 läuft der Golf der ersten Generation in Südafrika von den Bändern. Technisch fast unverändert wird der Golf der ersten Generation als Citi-Golf dort verkauft.
Schluss, aus, vorbei: Mehr als 20 Jahre lang konnte sich der Golf I noch über die Runden retten. In Deutschland 1976 eingeführt und 1983 eingestellt, lief die Produktion des erfolgreichsten Modells aus Wolfsburg in Uitenhage in Südafrika munter weiter. Seit 1978 wurde der Klassiker am Kap montiert und kommt so auf noch einmal etwa 500 000 Exemplare. Doch nach insgesamt über sieben Millionen Golf I hat der südafrikanische VW-Chef David diese Woche endgültig einen Schlussstrich gezogen: „Heute verkünden wir das Ende einer Auto-Legende“, sagte der Manager, als er die Produktionseinstellung ankündigte: Ein paar Monate und ein aufwändiges Sondermodell noch, dann sind die letzten Exemplare verkauft, und das erfolgreichste Auto der Welt ist endgültig Geschichte.
30.000 Bestellungen jährlich
Dabei erfreut sich der Dauerbrenner im Süden noch großer Beliebtheit. Natürlich hat auch der südafrikanische Markt längst aufgeholt. Zwar werden dort pro Jahr nur etwa 400 000 Autos verkauft, doch finden sich unter den Top 10 durchaus repräsentative Modelle wie die Mercedes C-Klasse, der Dreier BMW oder der Toyota Corolla. Und trotzdem hält sich der Citi tapfer in den oberen Plätzen: Rund 30 000 Südafrikaner bestellen Jahr für Jahr den fabrikneuen Oldtimer und weisen seinen Ur-Ur-Ur-Enkel aus der fünften Generation damit weit in die Schranken. Und auch Chef-Verkäufer Derik Bester im Autohaus Swakobmund im Nachbarstaat Namibia käme ohne den Ur-Golf kaum über die Runden: Zwar stehen in seinem Showroom auch Eos und der neue Golf, doch jeder vierte seiner Kunden kauft den Klassiker. Im Land vor allem in weiß, an der Küste dagegen wegen Wind und Wellen lieber bunt, erzählt der Mittdreißiger und stellt zur Testfahrt einen Neuwagen bereit, der zwar schon 20 Jahre auf dem Buckel aber erst 20 Kilometer auf der Uhr hat.
Unter 10.000 Euro
Das beste Argument für den CitiGolf ist neben seiner Unverwüstlichkeit der konkurrenzlos günstige Preis. Während der Südafrikaner für seinen Neuwagen im Durchschnitt 180 326 Rand ausgibt, ist die Basisversion des CitiGolf nicht einmal die Hälfte zu haben. Das sind vier Zylinder, 1,4-Liter Hubraum und 73 PS und drei oder fünf Türen für weniger als 10 000 Euro. Ein Polo kostet rund 50 Prozent mehr und der aktuelle Golf fast das Dreifache.
IIer Golf floppte
Begonnen hat die afrikanische Karriere des ersten Golfes im Jahr 1984, als die Wolfsburger am Kap mit dem schweren Start des Golf II zu kämpfen hatten. Weil der zu groß und zu teuer war, wurde als billige Alternative kurzerhand die Produktion des alten Golf noch einmal aufgenommen und bis heute nicht mehr abgestellt. Im Gegenteil: Jahr für Jahr musste VW die Kapazität für den Klassiker vergrößern.
Technik aus Golf III
Trotz allem ist die Zeit am Klassiker natürlich nicht spurlos vorüber gegangen. Zwar gleicht die Form noch dem Golf 1, weil die Karosseriepressen heute die gleichen Bleche ausspucken wie vor 30 Jahren. Doch die Technik stammt mittlerweile vom Golf 3, und das Interieur ist aus vielen anderen Konzernmodellen zusammen gestückelt. Im Innenraum blicken die Besitzer neuerdings auf das Cockpit des Skoda Fabia, genießen getönte Scheiben und wunderschöne Sitzbezüge mit verspielten Automotiven, dürfen mittlerweile Musik sogar von der CD hören und können immerhin seit 2002 auch eine Zentralverriegelung bestellen. Während sonst vieles fehlt, hat der Citi sogar einen Schalter, den es bei uns schon lange nicht mehr gibt: den Hebel für den Choke unter dem Lenkrad.
Rudimentär ausgestattet aber robust
Allerdings wirkt der CitGolf auch wie aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Er sieht zierlicher aus als der Polo, hat nur 200 Liter Kofferraum, steht auf winzig kleinen Rädchen und geizt mit der Ausstattung wie ein Schotte mit dem Trinkgeld. Selbst für Geld und gute Worte sind weder Servolenkung, elektrische Fensterheber oder ABS zu haben – und auch den Airbag gibt es erst seit wenigen Wochen. Dafür jedoch läuft der Wagen wie das sprichwörtliche Lottchen: Weil der Citi nicht einmal 900 Kilo wiegt, reicht ihm schon die Einstiegsmotorisierung für ganz respektable Fahrleistungen. Mit nur 73 PS und gerade einmal 108 Nm schafft er es in 14,1 Sekunden auf 100 Sachen, erreicht mit 156 km/h Höchstgeschwindigkeit mehr Tempo, als irgendwo am Kap erlaubt ist, und verbraucht dabei im Test afrikanischer Kollegen nur 8,4 Liter – ein Wert, den die aktuellen Modelle allesamt um ein bis zwei Liter überbieten. Natürlich sind das Werte, über die Europäer nur müde lächeln. Doch auf den Salzpisten an der namibischen Atlantikküste ist man mit dem Citi immer vorn dabei. Er hängt gut am Gas, die Gänge flutschen förmlich durchs Getriebe, und viel schneller als 130 oder 140 sollte man angesichts der knietiefen Bodenwellen ohnehin nicht fahren.
Langes Leben
Zwar hat VW-Statthalter Powels keinen Zweifel daran, dass Anfang 2010 auch der letzte Citi Golf verkauft sein wird. Doch das Ende des Klassikers ist damit noch lange nicht gekommen. Denn zumindest im Landesinneren regnet es so selten, dass der Rost keine Chance hat: Gebrauchtwagen halten also ewig.
DruckenSenden02.11.2009
von
Thomas Weibold